Viel bewegt sich nicht im Terrarium. Thekla hat sich in ihre Höhle verkrochen. Nur zwei
braune behaarte Beine gucken heraus. Auch bei Santa Paula bleibt alles ruhig. Nicht einmal,
als Marco Pohlmann ein normalerweise Appetit anregendes Heimchen hinein setzt, das munter auf
seinen Fressfeind zuläuft, regt sich die junge Dame der Art "Brachypelma vagans", auch
"Bombardierspinne" genannt. Sobald diese Art sich bedroht fühlt, verschleudert sie feine
Haarwolken, die sich in den Atemwegen festsetzen können. Dem Beobachter stellen sich vor
lauter Anspannung schon die Nackenhaare auf. Doch die Vogelspinne verharrt weiter ungerührt
in ihrer Haltung.
"Wahrscheinlich häutet sie sich bald, dann frisst sie nicht", mutmaßt Tanja Goldau
fachmännisch. Früher war sie eine Arachnophobikerin (Frau mit Spinnen-Angst), heute ist
Tanja eine bekennende Spinnenfreundin. "Wenn wir die Grille nicht hinaus nehmen, kann es
sogar passieren, dass sie unsere Paula anknabbert", ergänzt Freund Marco,
Vollblut-Vogelspinnenfan. In der Häutungsphase fallen die Tiere in eine Art Starre, erklärt
er. Und dann seien sie sogar einem Heimchen ausgeliefert.
Insgesamt 13 Vogelspinnen, zwei Rotkehlanolis (Mini-Eidechsen) und zwei Katzen wohnen bei dem
Paar, das demnächst in ein großes Haus umziehen möchte - "noch mehr Platz für noch mehr
Tiere", scherzt Marco.
Eng ist es aber auch in der Wohnung nicht. "Auf kleinstem Raum können viele unterschiedliche
Arten gehalten werden", freut sich die 29-jährige Zahnarzthelferin Tanja. Bei ihr haben
Höhlenspinnen, Baumspinnen und unterirdisch lebende Vogelspinnen - bis acht Zentimeter lange
und auch kleine "Spiderlis", denen eine Plastikschachtel mit etwas Erde reicht - ein Zuhause
gefunden. Gerne sitzt sie abends vor dem Terrarium und beobachtet Maggie und Reggae, die
indischen Baumkrabbler der Arten "Avicularia Metallica" und "Regalis". Sie sieht zu, wie sie
ihren Verdauungs-Saft in die Nahrungstierchen pumpen und dann aussaugen, wie sie ein Netz
weben. Früher habe sie sich nicht mal abends in den Garten gesetzt, aus lauter Spinnen-Angst.
Das exotische Hobby habe sie also therapiert. Der einzige Nachteil, so Tanja: "Meine Mutter
kommt nicht mehr zu Besuch."
Dabei bleiben die Vogelspinnen immer sicher unter Verschluss. Nicht, dass sie gefährlich
wären - "ein Biss schmerzt ähnlich wie ein Wespenstich", sagt Marco - ganz im Gegenteil:
"Würden wir sie herausnehmen und durch die Gegend tragen, wäre das Stress pur für die Tiere."
Ansonsten seien sie relativ anspruchslos und außerdem günstig zu halten, berichtet der
28-jährige Energieelektroniker. "Wichtig sind nur die Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent
und Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad Celsius", ergänzt er. Damit alles seine Ordnung hat,
notieren die beiden fein säuberlich auf Karteikarten, wann gewässert und gefüttert wurde und
wann sich die Tiere zuletzt gehäutet haben.
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